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Kindheit und Jugend mit Autismus und wie es sich anfühlt...

Bei einem Autisten wird ständig jede Handlung analysiert, ob gut oder schlecht, richtig oder falsch und dann gewertet. Autisten, die aggressiv sind, werden mit Gewalt festgehalten, manchmal auch von mehreren Personen.

Als sozial verarmt, müssen Autisten lernen, dass man raus geht in einen Verein, zu Straßenfesten, in Freizeitparks. Es wird nicht verstanden, dass solche Aktivitäten sehr schwierig sind, sehr anstrengend. Dass danach Ruhe gebraucht wird und nicht gleich die nächste Aktion möglich ist. Dass je nach Autist Dinge gehen können oder auch nicht. Dass man individuell abwägen muss. Die einen, die gerne etwas mit anderen zusammen unternehmen, doch danach Ruhe brauchen. Andere können nur losgehen, wenn im Vorfeld ganz genau klar ist was, wann, wie, wo laufen soll. Dritte halten es schlicht nicht aus, Gerüche und Geräusche anderer zu ertragen. Es gibt Autisten, die in selbst gewählter Gemeinschaft gut klarkommen, manche schaffen es aber auch nicht, mit nur einer fremden Person entspannt zusammen zu sein. Doch egal wie, die Forderungen werden in der Regel immer größer, man erwartet immer mehr, es ist nie genug. Geht es nicht, ist es wieder ein Manko.

 

Viele verstehen nicht, dass diese Probleme in der Behinderung begründet sind, dass diese vorliegen müssen, um die Diagnose Autismus zu bekommen. Das kann man nicht ausschalten. Wird man dazu gezwungen, kann vieles passieren, aber nichts Gutes. Wird man länger gezwungen, wird es der Person immer schlechter gehen. Doch wie es sich äußert? Kommt drauf an ...

 

Autisten, die sehr distanziert sind, weder berührt werden noch andere berühren wollen, weil es für sie unmöglich ist, werden gezwungen z.B. die Wange der Lehrerin zu streicheln oder Gegenstände anzufassen,

 

Sie sollen lernen, was Gefühl ist, dass man lieb sein kann, es schön ist!

Alles unter dem Deckmantel: "Das muss erlernt werden!"

 

Eltern von Autisten, egal was sie tun oder auch nicht, alles, wirklich alles kann so ausgelegt werden, wie man es möchte. Mal ist man die tolle aktive Mutter, das nächste Mal ist man dann überbehütend. Mal fördert man sein Kind, das nächste Mal beschränkt man sein Kind dadurch.

 

Für Eltern schafft es immer wieder Probleme, dass ständig gefordert wird, dem autistischen Kind Soziales beizubringen. Eltern erklären, dass ihr Kind mit einer Gruppe überfordert ist, dass es weder Teilhabe ist noch schön für ihr Kind daran teilzunehmen. Dass ihr Kind so nur lernt "Ich werde gezwungen, dass aushalten zu müssen" findet keine Beachtung. Das Kind muss "Soziales“ lernen. Eltern wird dann gerne unterstellt, dass sie es nicht wollen, dass ihr Kind sozialer wird.

 

Soziale Kontakte sind gut und wichtig, das ist klar, aber sie sollten freiwillig sein. Sie sollten ausgerichtet sein auf den Menschen, Dinge, die zu der betreffenden Person passen.

Nicht aber pauschal: "X muss A machen, dann lernt er Y". Kein Mensch sollte gezwungen werden. Manchmal hören wir Antworten und verstehen die Welt nicht mehr.

 

Um Diskriminierung zu vermeiden, muss die Menschheit mehr Sensibilität und Feingefühl aufbringen!

Autistische Menschen werden so oft diskriminiert durch erzwungene Maßnahmen, Kontakte, Aktionen. So kommt es zu immer größerer Ablehnung, bis Sie nicht mehr können und sich immer mehr zurückziehen!

Sehr viele erwachsene Autisten und ihre Angehörigen können ein jahrelanges Lied davon singen. So viele erzählen aus ihrer Kindheit: Erlebtes, das sie nachhaltig negativ beeinflusst hat.

 

In Deutschland ist klar geregelt, was eine Behinderung ist und wie Autismus gewertet werden muss. Die meisten Autisten haben einen Schwerbehindertenausweis. Ein offizielles Dokument: Wer ihn besitzt, liefert damit den Beweis.

 

Die meisten haben auch einen Pflegegrad, auch hier wird man regelmäßig kontrolliert. Alle 3 bis 6 Monate, je nach Pflegegrad, kommt der Pflegedienst und überprüft, ob es der zu pflegenden Person gut geht. Diese Prüfung ist auch wichtig. Somit wird aber immer auch ein Auge auf die Person geworfen. Dazu kommen Arztbesuche etc., sodass immer mehrere Menschen den Autisten regelmäßig sehen. Ob 5 Jahre, 15 Jahre oder 25 Jahre oder 50 Jahre.

 

Es geht bei den Kleinsten los. Hier betrifft es natürlich auch immer die Eltern. Einige Beispiele wollen wir hier mal nennen: Eltern, die anrufen und traurig sind, Tränen des Schmerzes vergießen, fassungslos darüber sind, wie man ihnen begegnet, obwohl es schon mehr als 10 Jahre Inklusion gibt. Mit der Einschulung wird es dann noch deutlicher, insbesondere wenn Eltern sich reinknien, um eine geeignete Schule zu finden und in den direkten Kontakt gehen. Die mit allen Beteiligten sprechen und für ihr Kind kämpfen. Warum ist es so schwer, Eltern und Autisten anzunehmen und wirklich auf Augenhöhe zu besprechen, was Sinn macht?

  • "Ihr Kind muss sich hier einfügen, alles andere ist nicht tragbar."
  • "Sie müssen mal endlich dafür sorgen, dass ihr Kind keine Windel mehr braucht."
  • "Ihr Kind kann nicht in Ruhe im Stuhlkreis sitzen, trainieren Sie das nicht? Das geht nicht so weiter, so muss das Kind daheimbleiben."
  • "Ihr Kind kann nicht in den Hof, jedes Mal gibt es Streit!"
  • "Zum nächsten Ausflug muss ihr Kind daheimbleiben, denn wir haben keine Zeit und kein Personal dafür, ständig aufzupassen."
  • "Essen geht gar nicht, Regeln bekommt ihr Kind wohl nicht beigebracht daheim."
  • "Das wird nie was mit ihrem Kind."
  • "Ihr Kind kann nicht benotet werden, damit muss es auf die Sonderschule." (anstatt sich Gedanken zu machen, wie es gehen kann)
  • "Sie hören jetzt auf so ein Theater zu machen, seien Sie froh, dass man Ihnen hilft, das langt ja wohl."
  • "Wir haben Inklusion neu und keine Ahnung. Das müssen sie alles selbst regeln und offen gesagt denken wir, es ist besser, Sie gehen wo anderes hin ..."
  • "Ja gut, wir müssen Ihr Kind aufnehmen, da wir nun mal Einzugsgebiet sind, aber Ihr Kind muss dann schon in der Lage sein, allem zu folgen."
  • "Jetzt geht es wirklich nicht mehr so weiter. Es muss ein Schulbegleiter her, Ihr Kind schafft das nicht und liegt ständig unter dem Tisch und schreit. Der Schulbegleiter muss dafür sorgen, dass Ruhe ist."
  • "Auszeitraum haben wir nicht, aber unten im Keller unter der Treppe ist eine Ecke ..."
  • "Ihr Kind hat schon eine SB und es läuft trotzdem nicht, das muss an Ihnen liegen."
  • "Geben Sie ihrem Kind endlich Medikamente, damit wir hier arbeiten können."
  • "Der Schulbegleiter hat zu tun, was die Lehrer sagen."
  • "Ihr Kind spricht nicht, das muss es endlich lernen."
  • "Wenn ihr Kind keine Ruhe gibt, müssen Sie es abholen."
  • "So geht das nicht. Ihr Kind muss das lernen, ob es will oder nicht."
  • "Stellen Sie sich nicht so an, machen Sie, was ich sage."
  • "Immer diese Extrawurst mit Ihnen!"
  • "Sie sorgen bitte für Arbeitsmaterial und Ausstattung, schließlich wollen Sie, dass Ihr Kind ..."
  • "Hilfsmittel brauchen wir nicht, wer soll das zahlen?"
  • "Jaja, Sie haben eine Stellungnahme. Wir sehen das anders."
  • "Wir regeln das schon. Unterschreiben Sie hier .. Wie, Sie wollen das selbst beantragen? Das machen wir nicht, das ist hier nicht üblich."
  • "Wie, Sie wollen die SB im PB anstellen? Das machen wir nicht mit."
  • "Ihr Kind hat ja gute Noten, also wo ist das Problem?"
  • "Letzte Woche ging es doch auch, also will es nur nicht."
  • "Wenn Sie Ihr Kind ständig unter eine Blase setzen, lernt es das nie."
  • "Reißen Sie sich zusammen, das ist eben so und Ihr Kind muss da jetzt durch."

Wie fühlt sich ein Kind? Die ganze Familie damit? Jeder zweite Autist hat schlimme Mobbing Erfahrungen, mehrere Schulwechsel, Schulbegleiter Wechsel usw. erlebt und jedes Mal beginnt man wieder bei 0! Vertrauen muss wachsen, jeder Wechsel heißt Neustart, wieder einstellen auf eine Person oder Situation. Ab einer gewissen Menge flippt das Kind oft aus. Ändert sich nichts, wird es schlimmer, was auch heißen kann, das Kind ist völlig erstarrt oder wirkt abwesend.

Autisten brauchen großzügige Hilfen, vom ersten Tag an, in der Realität muss ein Kind aber erst negative Erfahrungen sammeln, bevor es Hilfen gibt und bis dahin ist meist schon viel passiert das Spuren hinterlässt.

 

Autisten werden beglotzt, man macht sich lächerlich über ihre Probleme, man ignoriert medizinische Stellungnahmen.

Das ist leider keine Phase in der Kita. Nein, das bleibt oft ihr ganzes Leben lang.

 

Wir wollen aufklären, verändern und dazu gehört, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir wollen die Fülle dessen aufzeigen, was das autistische Kind und seine ganze Familie aushalten muss. Es liegt an jedem einzelnen Menschen und in seiner Verantwortung, wie man damit umgeht. Ein behinderter Mensch hat es grundsätzlich schwerer, da er behinderungsbedingte Nachteile hat. Es muss doch möglich sein, dass man es ihm nicht noch zusätzlich schwer macht.

 

Über das Leben erwachsener Autisten kommt in Kürze etwas, dazu sammeln wir noch!

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